Chaos im Kopf, Kind am Bein – und plötzlich macht Stress Sinn
Beim Young Leader MeetUp zum European Coworking Day gab's praktische Resilienz-Tools für arbeitende Eltern – laut, ehrlich und sofort anwendbar.

Kinder. Job. Haushalt. WhatsApp. Irgendwo dazwischen: du.
Wer kennt das nicht? Der Tag hat 24 Stunden, aber das Gefühl, nie genug Zeit zu haben, hat gefühlt 48. Am 6. Mai 2026 – dem European Coworking Day – haben wir beim Young Leader MeetUp genau das zum Thema gemacht: Chaos im Kopf, Kind am Bein. Ein Abend über Stress, Resilienz und die Frage, warum wir uns eigentlich so oft selbst im Weg stehen.
Mit dabei: Rebecca Oberst (Hypnosetherapeutin, Doktorandin, 2-fach Mama – emama.me) und Nina Perl (Coach für Stressmanagement & Resilienz, 2-fach Mama – nina-perl.com). Zwei Frauen, die nicht nur Theorie predigen, sondern täglich selbst im Ring stehen.
Und wir? Wir waren einer von 252 Coworking Spaces in Europa, die heute dabei waren. Klein, aber mitten drin.
Was stresst dich eigentlich wirklich?
Der Abend startete mit einer einfachen, aber entlarvenden Frage: Was stresst dich?
Die Antworten kamen schnell und zeigten: Es ist nicht der eine große Brocken – es ist das Dauerfeuer. Haushalt. Kochen. Termine. Keine Me-Time. Das ständige Ping auf dem Handy. Familie, die Dinge erwartet. Kein Sport. Zu wenig Schlaf.
Bevor es in die Tiefe ging, gab es erst mal eine kurze Atemübung: durch die Nase rein, durch den Mund raus. Klingt simpel – ist es auch. Und genau das ist der Punkt. Bewusstes Atmen holt dich raus aus dem Gedankenkarussell und zurück in deinen Körper. Gedanken, die vorhin noch Überstunden gemacht haben, kriegen kurz Pause.

Warum Stress kein Zufall ist – das Lazarus-Modell
Stress passiert nicht einfach. Er entsteht durch eine Bewertung. Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus & Folkman erklärt es so:
Ein Stressor trifft auf dich. Dein Kopf bewertet blitzschnell: Gefahr oder Herausforderung? Dann direkt die nächste Frage: Hab ich die Ressourcen, damit umzugehen? Aus dieser Kombination entsteht dann entweder problemorientiertes Coping (das Problem anpacken) oder emotionsorientiertes Coping (die Emotion dahinter aufdröseln) – mit dem Ziel, die Situation neu zu bewerten.
Was dabei viele nicht auf dem Schirm haben: Schlafmangel, alte Verletzungen und Erwartungshaltungen – an sich selbst, die Kinder, den Partner – fressen still und heimlich deine Kapazität auf. Wer wenig schläft und hohe Erwartungen hat, reagiert auf jeden kleinen Stressor wie auf eine Katastrophe. Nicht, weil man schwach ist. Sondern weil die Reserve schlicht weg ist.
Der Körper als Werkzeug – nicht als Feind
Ein Highlight des Abends: die „Holzhacker-Übung". Arme hoch, dann nach unten fallen lassen – als würdest du eine Axt auf ein Holzscheit schlagen – und dabei laut ausatmen. Wer das einmal mitgemacht hat, versteht sofort: Der Körper kann Stress physisch rauslassen. Stimme, Bewegung, Atmung – das sind keine Soft-Tools. Das sind echte Ventile.
Human Design: Wer bin ich eigentlich im Stress?
Ein spannender Exkurs ging in Richtung Human Design. Fünf Typen, die erklären, wie unterschiedlich Menschen Energie aufnehmen, verarbeiten und abgeben:
· Manifestor – hat die Ideen, startet Dinge, bleibt aber oft nicht dran
· Generator – Energie ohne Ende, erschafft durch Reaktion, das ist sein Lebenswerk
· Manifestierender Generator – Multitasker, schnell, denkt nicht linear
· Projektor – sieht das große Ganze, braucht aber eine Einladung
· Reflektor – selten, spiegelt das Umfeld, bezieht Energie von außen
Der Nutzen: Wenn du weißt, welcher Typ du bist – und welcher Typ die Menschen um dich sind – kannst du Konflikte und Überforderungen viel besser einordnen. Nicht jeder funktioniert gleich. Und das ist okay.
Framing: Der stille Game-Changer
Einer der stärksten Punkte des Abends war die Unterscheidung zwischen Wunsch, Erwartung und Intention.
· Wunsch: oft unrealistisch, diffus
· Erwartung: an einen Zielzustand – und sobald der nicht eintritt, entsteht Druck
· Intention: an mich gerichtet, kontrollierbar, keine Vorbedingungen, volle Eigenverantwortung
Beispiel: Statt "Ich will endlich wieder Sport machen" (Erwartung mit Selbstvorwurf im Gepäck) lieber: "Heute möchte ich Rad fahren." Ich. Heute. Möchte. Ohne Selbstgericht, wenn's nicht klappt.
"Es ist, was es ist – und es wird, was ich daraus mache." Dieser Satz aus dem Abend trifft es ziemlich gut.
Im Akutfall: Suchen. Finden. Handeln.
Wenn der Stress gerade hochkocht, gibt es eine einfache Formel: Bedürfnis suchen – Bedürfnis erkennen – Bedürfnis befriedigen. Nicht analysieren, nicht vertagen. Hinschauen und handeln.
Fazit: Ein Abend, der bleibt
Kein Vortrag. Kein Powerpoint-Einschlafen. Stattdessen ein Abend mit echten Gesprächen, praktischen Übungen und zwei Referentinnen, die selbst mitten im Thema stecken. Genau das ist es, wofür das Young Leader MeetUp steht – und genau das ist es, wofür wir im Coworking Kemnath Raum schaffen wollen.
Du findest mehr von Rebecca unter emama.me und mehr von Nina unter nina-perl.com.
Hast du jemanden im Kopf, der gerade genau das braucht? Schick ihm oder ihr diesen Artikel. Und wenn du das nächste Mal dabei sein willst – merk dir den Coworking Kemnath Eventkalender. Die nächste Runde kommt bestimmt.
Alle Events: coworking-kemnath.de/termine