
Viele interessierte Frauen, ein Raum, eine Verlegerin, die erzählt, was wirklich hinter einem Familienunternehmen steckt – kein Hochglanz, sondern echte Einblicke. Das war der GründerinnenTALK mit Viola Vogelsang-Reichl von Oberpfalz Medien.
Die Veranstaltungsreihe „Ich bin gerne Chefin" wurde von der OTH vor vielen Jahren ins Leben gerufen und bringt Frauen zusammen, die sich gegenseitig inspirieren wollen. Diesmal lief sie im Rahmen des EXIST-Gründerinnenprogramms am Campus Kemnath unter der Federführung von Vizepräsidentin Christiane Hellbach.
Viola wuchs buchstäblich in einem Medienhaus auf. Als Kind riss sie Zettel vom Fernschreiber, lief mit dem Hund über das Verlagsgelände – und hatte doch schon früh eine Ahnung, dass dieser Ort ihr Zuhause sein würde. Idyllisch für sie als Kind, manchmal vielleicht aber stressig für die Belegschaft. Das hat sie sich gemerkt.
Aber bevor sie ins Familienunternehmen einstieg, wollte sie erst mal Erfahrungen außerhalb des Hauses sammeln. Regionalredaktion in Bamberg. Germanistikstudium in München. Praktikum beim Burda-Verlag in London – zufällig genau dann, als Queen Mum starb und sie bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Details zum Trauerzug teilnehmen durfte. Dann Toronto, wo sie für eine Monatszeitung EU-Botschafter interviewte.
Warum das alles? Weil sie kluge Führung von schlechter unterscheiden konnte. Und weil sie sich gemerkt hat, wie man es nicht machen will. Sie hatte beispielsweise einmal eine Führungskraft erlebt, die sehr patriarchalisch führte. So will sie nicht führen, wenn sie einmal selbst in Führungsfunktion steht – das war ihr klar.
Heute ist Viola Teil einer Geschäftsführung aus drei Personen – mit verschiedenen und sich ergänzenden Kompetenzprofilen. Entscheidungen fallen nie allein, sondern gemeinsam. Gesellschafterrunde und Geschäftsführung inklusive: fünf Leute, die sich um die Geschicke der Firma kümmern.
Das klingt komplex? Ist es auch. Aber genau das macht es für Viola aus: Sie muss nicht alleine entscheiden – und ist nie allein.
Oberpfalz Medien steht heute für 80 Jahre „Der Neue Tag", 30 Jahre O|Netz und 10 Jahre Dachmarke. Das hat niemand geschenkt bekommen. Stellen wurden nicht 1:1 ersetzt, Prozesse verschlankt, Diversifikation aktiv betrieben. Und: Es wurde nie auf ein einziges Produkt gesetzt.
Ein Satz, der an diesem Abend hängenbleibt: Manchmal braucht es räumliche Veränderung, um inhaltliche Veränderung möglich zu machen. Als das Haupthaus saniert wurde, zog das Team vorübergehend um – und nutzte diese Phase, um neue Arbeitsweisen auszutesten. Desksharing, neue Rollen, andere Strukturen. Was zunächst wie ein Provisorium wirkte, wurde zum Sprungbrett. Der Beginn einer konsequenten Führungskräfteentwicklung war ebenfalls ein Meilenstein im Veränderungsprozess.
MS 365, CRM-Systeme, Themenjournalismus statt Terminjournalismus – vieles davon klingt selbstverständlich, war aber alles andere als das. Veränderung ist immer anstrengend. Die Bereitschaft dafür muss aktiv geworben werden. Immer wieder.
Auf die Frage nach Künstlicher Intelligenz kam eine klare Antwort: Oberpfalz Medien setzt KI bereits aktiv ein. Bei der Plattform „OberpfalzDaheim" schlägt KI automatisch Zusammenfassungen vor, filtert Begriffe und macht auf problematische Inhalte aufmerksam. Ein Mensch schaut noch drüber – aber der Zeitgewinn ist real. Und dieser Zeitgewinn schafft Raum für das, was Journalismus ausmacht: Recherche.
Viola Vogelsang-Reichl hat nicht über Erfolg gesprochen. Sie hat über den Weg dahin gesprochen – mit Umwegen, Fehlern und einer klaren Haltung: Aus der Region, für die Region. Und dabei immer wieder neu erfinden, ohne die Wurzeln zu verlieren.
Das war kein Vortrag. Das war echtes Unternehmertum zum Anfassen.
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