Heimat ist keine Entscheidung gegen etwas – Elisabeth Zintl und die Verantwortung, die bleibt
Elisabeth Zintl hat sich bewusst für Waldeck entschieden – und daraus Verantwortung gemacht. Eine Geschichte über Heimat, Haltung und unternehmerischen Mut.

Manche Entscheidungen sehen von außen klein aus. Bleiben oder gehen. Heimat oder Aufbruch. Elisabeth Zintl hat sich entschieden zu bleiben – und aus dieser Entscheidung etwas gebaut, das weit über Waldeck hinaus strahlt.
Eine Biografie, die sich niemand ausdenkt
Aufgewachsen in einer Familie mit Gastronomie, Landwirtschaft und Metzgerei. Metzgereifachverkäuferin. Dann Bankausbildung, Kundenberatung, sogar eine Zweigstellenleitung. Elisabeth Zintl hat früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen – und zwar für andere, nicht nur für sich selbst.
Nach der Familienzeit, als die Kinder da waren, stand die eigentliche Frage im Raum: Wo wollen wir leben? Wo wollen wir Verantwortung übernehmen – wirklich, dauerhaft, mit allem was dazugehört? Die Antwort war Waldeck. Ein Dorf. Nordbayern. Und diese Entscheidung war keine Einschränkung – sie war der Anfang.

2004: Kein Neustart, sondern ein Weiterbau
Den Gasthof übernehmen – ja. Aber nicht so, wie er war. Elisabeth Zintl hat von Anfang an eine klare Idee gehabt: nicht renovieren um zu renovieren, sondern weiterentwickeln mit Haltung. Hinter das bestehende Haus wurde gebaut. Nichtraucher-Hotel, Wellnessbereich – zu einer Zeit, als das noch nicht selbstverständlich war. Eine Positionierung, die nicht jedem gefiel, aber eine klare Zielgruppe ansprach.
Mit zehn Zimmern und einem ersten Tagungsraum gestartet. Zu klein, um rund um die Uhr wirtschaftlich zu sein – aber groß genug, um zu wachsen.
Wachstum ohne Neubau
Die Frage, die viele Unternehmerinnen kennen: Wie steigere ich den Umsatz, ohne alles neu zu bauen? Elisabeth Zintls Antwort: bestehende Häuser übernehmen, nicht auf der grünen Wiese anfangen. 2019 kam dann der bestehende Landgasthof dazu – damit plötzlich 30 Zimmer im eigenen Haus und 25 weitere aus dem übernommenen Bestand. Anfang 2020 war das Team groß, die Auftragsbücher voll, die Stimmung gut. Und dann kam Corona.
Das härteste Jahr – und warum sie nicht aufgehört haben
17 Mitarbeitende in Kurzarbeit. Geschlossene Türen. Ungewissheit. Was Elisabeth Zintl in dieser Zeit gemacht hat, sagt viel über sie aus: Die Mitarbeitenden kamen trotzdem. Nicht weil sie mussten – sondern weil man gemeinsam die Gebäude in Schuss gehalten hat. Und weil Elisabeth Zintl nie aufgehört hat, die Zukunft zu zeigen. Nicht als Durchhalteparole, sondern als echte Haltung.
Aus der Not wurde auch eine Idee: Die Betten für Betriebe öffnen, die weiter produzieren mussten und Unterkünfte für ihre Mitarbeitenden brauchten. Pragmatisch. Direkt. Wirksam.
2025: Noch ein Haus. Noch ein Schritt.
Dieses Jahr eröffnet ein weiteres Haus in Waldeck – mit Raum für Tagungen, Feiern und Feste. Kein Endpunkt, sondern der nächste logische Schritt einer Geschichte, die von Anfang an nicht auf Stillstand ausgelegt war.
Parallel dazu laufen in Waldeck mehrere Projekte, die zeigen, was gemeint ist, wenn Elisabeth Zintl über Heimat als Verpflichtung spricht: die denkmalgerechte Sanierung historischer Dorfgebäude in den Hollerhöfen, die Naturerlebnis Akademie mit dem ersten essbaren Wildpflanzenpark der Region – seit inzwischen elf Jahren –, das Netzwerk Powerpaare für Unternehmer-Paare und das Projekt Klassenzimmer 77, das Schulräume in Tansania baut.
Waldeck ist kein Dorf, das wartet. Es ist eines, das macht.
„Heimat ist nicht nur ein Geschenk – sondern auch eine Verpflichtung."
Dieser Satz von Elisabeth Zintl war der Moment des Abends. Und er passt zu dem, wofür das Format „Ich bin gerne Chefin"-GründerinnenTALK steht: nicht Erfolgsgeschichten feiern, sondern zeigen, was hinter ihnen steckt. Entscheidungen, Haltung, Konsequenz.
Und eine klare Botschaft an alle, die in der Region leben und arbeiten: Wir müssen nicht weit fahren, um etwas Besonderes zu erleben. Wenn wir das selbst glauben und kommunizieren, profitiert die ganze Region davon. Der Landkreis Tirschenreuth steht heute in überregionalen Zeitungen – und das nicht zufällig.

Am Abend waren auch Teilnehmerinnen des EXIST-Förderprogramms zu Gast, die von Bürgermeister Roman Schäffler und Vizerektorin Christiane Hellbach willkommen geheißen wurden. Ein schöner Beleg dafür, wie viel gerade in Bewegung ist – in Kemnath und in der ganzen Region.
„Ich bin gerne Chefin"-GründerinnenTALK ist ein regelmäßiges Format im Coworking Kemnath. Unternehmerinnen erzählen – offen, direkt, ohne Schönfärberei.
Alle Infos zum Format: coworking-kemnath.de/ichbingernechefin
