
Am 10. Juli 2025 war es soweit: Der im Mai eingeweihte Campus Kemnath startete mit seiner ersten Veranstaltung der OTH Amberg Weiden und setzte damit ein starkes Zeichen für die Zukunft der Region Kemnather Land. Gemeinsam mit dem Team des Coworking Kemnath organisierte das Campusteam der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden einen besonderen Abend aus der erfolgreichen Reihe „Ich bin gerne Chefin".
Diese Kooperation zwischen Hochschule und Coworking-Space schafft eine völlig neue Dimension der Vernetzung und des Wissenstransfers in der Region. Der Campus Kemnath als Technologietransferzentrum der OTH Amberg-Weiden bringt wissenschaftliche Expertise direkt in die Region und verbindet sie mit der praktischen Erfahrung lokaler Unternehmerinnen und Gründerinnen.
Die Veranstaltung richtete sich speziell an Entscheiderinnen und Gründerinnen in der Nordoberpfalz und engagierte Frauen auf ihrem Weg dorthin. Unter dem Motto „Netzwerken als Erfolgsrezept für Frauen: Mit starken Verbindungen zum beruflichen Erfolg und persönlichen Wachstum" versammelten sich die Teilnehmerinnen im Coworking Kemnath in der Röntgenstraße - einem Ort, der bereits für sich genommen ein lebendiges Beispiel für innovative Arbeitsformen und Vernetzung in der Region darstellt.
Nach der herzlichen Begrüßung durch Thomas Völkl, Hausherr des Coworking Kemnath, eröffnete Prof. Dr. Christiane Hellbach die Veranstaltung. Als Vizepräsidentin der OTH Amberg-Weiden und Professorin im Bereich Handelsmanagement sowie Frauenbeauftragte der Hochschule brachte sie die perfekte Expertise für diesen Abend mit.
Die Moderation übernahm Andrea Schild-Janker aus dem Team des Campus Kemnath, die durch einen Abend führte, der von authentischen Geschichten und wertvollen Einsichten geprägt war.
Kathrin Paschedag, Geschäftsführerin des Modehauses Zeitler in Mitterteich und des Modehauses La Donna in Regensburg, führt ihr Familienunternehmen bereits in dritter Generation. Als gelernte Einzelhandelskauffrau und Betriebswirtin (BTE) übernahm sie schon nach zwei Jahren im Betrieb erste Anteile.
"Weil mir nichts anderes übrig geblieben ist", scherzte sie auf die Frage, warum sie Chefin geworden sei. Doch schnell wurde klar: "Die Arbeit mit Kunden, Mitarbeiterinnen und Lieferanten macht einfach super viel Spaß! Es ist immer wieder anders aber immer interessant. Das macht Freude!"
Mit 50 Mitarbeiterinnen führt sie ein sehr frauenlastiges Unternehmen - ein Vorteil in der Modebranche, wie sie betont. Über verwandtschaftliche Wege expandierte sie auch nach Regensburg und zeigt, wie traditionelle Familienunternehmen erfolgreich weiterentwickelt werden können.
Stephanie Birnthaler, Geschäftsführerin der Hotel Goliath am Dom GmbH und weiterer Hotelgesellschaften, nahm die Teilnehmerinnen mit auf ihre ungewöhnliche Reise. Parallel zu ihrer Tätigkeit als Hotelunternehmerin ist sie auch als Moderatorin beim regionalen Fernsehsender TVA tätig.
"Ich will kein Wirtshaus", war ihr Credo, als sie Germanistik und Geschichte studierte. Doch das Leben hatte andere Pläne. Nach Praktikum und Volontariat bei TVA, wo sie als CvD hängen blieb, bot sich die Chance auf das Hotel in der Goliathstraße.
"Wichtig: Wenn wir uns selbstständig machen, dann wir als Ehepaar alleine und unabhängig", beschreibt sie ihre Grundsätze. 2007 eröffnete sie das erste Hotel - am ersten Tag schon ausgebucht! Es folgten 2013 und 2016 zwei weitere Hotels, jedes mit einer ganz anderen Konzeption.
"Jedes Zimmer ist anders - das mache ich einfach gerne und richte gerne Zimmer neu ein", erklärt sie ihre Leidenschaft. Doch sie verschweigt auch die Risiken nicht: "Corona will ich nicht nochmals erleben. Seitdem habe ich immer wieder einmal Panik, dass wir es nicht mehr packen können."
Besonders beeindruckend war das Beispiel der beiden Unternehmerinnen, die sich seit der Schulzeit kennen und deren Geschäfte direkt nebeneinander in der Regensburger Goliathstraße liegen. Sie arbeiten Hand in Hand: Gutscheine für das jeweils andere Geschäft, gemeinsame Einkaufsführer für Hotelgäste - ein perfektes Beispiel für erfolgreiches Netzwerken.
"Wir pflegen und prägen das Kulturgut Innenstadt. Denn Innenstadt ohne Geschäfte oder Hotels würde nicht funktionieren!", betonen beide. Sie fordern bessere kommunale Rahmenbedingungen und zeigen, wie wichtig es ist, dass Unternehmerinnen sich gegenseitig unterstützen.
Genau hier setzt die neue Kooperation zwischen dem Campus Kemnath und Coworking Kemnath an. Diese Partnerschaft schafft eine einzigartige Plattform für den Austausch zwischen erfahrenen Unternehmerinnen, Gründerinnen und der wissenschaftlichen Welt. Der Campus bringt nicht nur Forschung und Innovation in die Region, sondern vernetzt auch lokale Akteure auf völlig neue Weise.
Die Region Kemnather Land erhält durch diese Zusammenarbeit einen enormen Schub: Hier entstehen Synergien zwischen etablierten Unternehmerinnen wie Kathrin Paschedag und Stephanie Birnthaler, die ihre Erfahrungen weitergeben, und neuen Gründerinnen, die von diesem Wissen profitieren können. Der Campus fungiert dabei als Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Innovation und bewährten Geschäftsmodellen.
Diese Vernetzung ist besonders wertvoll für eine Region wie das Kemnather Land, wo persönliche Kontakte und gegenseitige Unterstützung schon immer eine wichtige Rolle gespielt haben. Nun wird dieses gewachsene Netzwerk um wissenschaftliche Expertise und moderne Arbeitsformen erweitert.
Ehrlich sprachen beide über die Herausforderungen als Unternehmerin und Mutter. "Oft zerreißt es einen das Herz, ob ich zu Kindern oder zur Arbeit gehe", gibt Kathrin Paschedag zu. "Da gibt es immer wieder schwierige Situationen. Aber in Summe bringt mir die Arbeit und meine Familie so viel, dass ich beides nicht missen möchte."
Stephanie Birnthaler ergänzt: "Ich habe einige Mitarbeitende, bei denen ich weiß, dass die wegen mir kommen. Und das ist ein schönes Gefühl!" Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei etwa 30 Jahren - ein Zeichen für die besondere Arbeitsatmosphäre.
Auf die Frage, warum sie als Führungskräfte nicht hart geworden seien, antworteten beide reflektiert. "Ich reflektiere mich immer!", betont Stephanie Birnthaler. "Wahnsinnige Freude an dem, was ich tu. Und wichtig: Wenn ich Gastgeber bin, muss ich das mit Freude tun."
Kathrin Paschedag gibt zu: "Ich hab das Problem schon, dass ich hart wirke. Oft jedoch in der Familie zu Hause. Aber da bekomm ich schnell Rückmeldung." Beide stehen aber konsequent vor ihren Mitarbeitenden: "Wenn ein Gast einen Mitarbeitenden angeht, schreite ich sofort ein."
Neben den persönlichen Herausforderungen sprachen beide auch über strukturelle Probleme: Social Media, E-Rechnung, Barrierefreiheit der Website - alles Themen, die nebenbei bewältigt werden müssen, ohne Umsatz zu generieren. "Man kann nicht überall perfekt sein. Da muss man manchmal Dinge einfach hinnehmen", resümiert Stephanie Birnthaler.
Sorgen bereitet beiden die Zukunft des Einzelhandels: "Es werden immer mehr Ketten. Der Einzelhandel stirbt aus. Zum einen, weil es keine Nachfolger gibt und zum anderen, weil Corona vielen das Genick gebrochen hat."
Der Abend endete mit einem wichtigen Appell: "Oftmals ist es gut, nicht vorher schon alles zu wissen. Sonst würde man es vielleicht gar nicht machen." Die beiden Unternehmerinnen machten Mut, zeigten aber auch ehrlich die Herausforderungen auf.
Bei Fingerfood und Getränken entwickelten sich noch viele intensive Gespräche - genau das, was die Veranstaltungsreihe "Ich bin gerne Chefin" ausmacht: authentische Einblicke, ehrliche Diskussionen und die Möglichkeit, wertvolle Netzwerke aufzubauen.
Die erfolgreiche Premiere des Campus Kemnath zeigt: Es gibt einen großen Bedarf an Austausch unter Unternehmerinnen in der Region. Mehr noch: Die Kombination aus wissenschaftlicher Expertise des Campus und der praktischen Erfahrung der Coworking-Community schafft ein enormes Potenzial für die gesamte Region Kemnather Land.
Diese Partnerschaft verspricht, die Region zu einem Hotspot für innovative Geschäftsmodelle und erfolgreiche Unternehmerinnen zu entwickeln. Der Campus Kemnath wird dabei als Technologietransferzentrum eine Schlüsselrolle spielen, indem er wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis überführt und gleichzeitig als Plattform für den Austausch zwischen etablierten und aufstrebenden Unternehmerinnen dient.
Die Fortsetzung dieser wichtigen Veranstaltungsreihe ist daher bereits in Planung – zusammen mit Petra Schuster aus Kemnath am Do., 25. September im Coworking - ein deutliches Zeichen dafür, dass die Region Kemnather Land auf dem besten Weg ist, sich als innovativer Wirtschaftsstandort zu etablieren.
Die Veranstaltung "Ich bin gerne Chefin" ist eine Kooperation zwischen dem Campus Kemnath der OTH Amberg-Weiden und dem Coworking Kemnath. Weitere Informationen und kommende Termine finden Sie auf coworking-kemnath.de.