
Was passiert, wenn ein junger technikaffinerNachfolger ein Familienunternehmen von innen heraus modernisiert – und dabei gleichzeitig lernt, wann man den Kopf durchsetzt und wann man ihn einzieht? Genau das hat Simon Wolf beim jüngsten YoungLeader MeetUp im Coworking Kemnath mit uns geteilt. Ein Abend voller ehrlicher Einblicke, pragmatischer Learnings – und einem besonderen Satz über seinen 93-jährigen Großvater und einen Zaun im Wald.
Simon Wolf ist CTO und CIO sowie Leiter des Projektstabs bei der Wolf GmbH Betonwerk & Baustoffe – einem Familienunternehmen, das sein Vater in den 80er Jahren gegründet hat. Was mit einzelnen Mitarbeitern und dem Silobau begann, ist heute ein Betrieb mit rund 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nebenberuflich absolvierte Simon zuletzt seinen MBA und engagiert sich dieses Jahr als Vizepräsident bei den Wirtschaftsjunioren Bayreuth.
Nach dem Studium in München – mit ein paar Werkstudentenjobs und Praktika in anderen Unternehmen dazwischen – ist er 2020 in die Firma eingestiegen. Seitdem hat er einiges bewegt. Und noch mehr gelernt.
Wer als Nachfolger in ein Familienunternehmen eintritt, betritt kein unbeschriebenes Blatt. Simon hat das am eigenen Leib erlebt: Man kommt in Räumlichkeiten, die in die Jahre gekommen sind, in gewachsene Strukturen, in eingespieltes Personal – und in ein Unternehmen, das eben von seinem Vater aufgebaut wurde.
„Gerade mit dem Blick von außen sieht man, wo Handlungsbedarf ist. Aber man muss aufpassen, nicht zu krass Feedback zu geben oder alles schlecht zu reden, was bisher geschah."
Seit 2020 hat Simon schrittweise mit angepackt: 2023 Shoperneuerung und eine neue Büroküche. 2024 die neue große Regalhalle. 2025 ein großes Zementsilo und der Tag der offenen Tür – denn nach innen gestalten allein reicht nicht. Man muss es auch nach außen zeigen, was man macht und wer man ist.
Und dafür? Betonboden um 3 Uhr nachts schleifen. Eine Einzelhändlertür reparieren, weil die eigentlich zuständige Fachfirma nicht reagiert hatte. Wer bei einem kleinen Mittelständler arbeitet, macht alle Stationen durch. Das formt.
Ein zentrales Thema des Abends: Die Unternehmensnachfolge im Familienkontext – und wie komplex sie wirklich ist. Die Theorie sagt, der Übergebende sollte den Prozess initiieren. Die Realität sieht oft anders aus: Häufig ist es der Übernehmende in einer Familie, der das Thema anschiebt, damit es nicht zu spät ist.
Für Simon bedeutete das: Abstimmung mit Vater, Stiefmutter und Schwester. Mehrere Rollen durchlaufen, bis klar war, wo seine Stärken liegen. Und immer wieder die Frage: Wie viel Druck ist okay – und wo beginnt der Konflikt, der nicht mehr nur beruflich ist?
„Als Junior freundlich, aber bestimmt bleiben" – das war Simons Formel. Mit dem Kopf durch die Wand geht nicht. Aber alles mit sich machen lassen auch nicht. Am Ende haben sie einen Abstimmungsprozess über mehrere Jahre etabliert und lassen die Nachfolge von externer Unterstützung begleiten. Emotionale, steuerliche und vertragliche Aspekte – alles muss bedacht sein.
Und: Die Trennung von Beruf und Familie darf nicht zur Daueraufgabe werden. Simons klare Ansage: „Am Sonntag beim Mittagstisch muss nicht über LKWs gesprochen werden.“
Als CTO und CIO verantwortet Simon heute die gesamte IT bei Wolf – operativ wie strategisch. Und er weiß: Die Komplexität nimmt zu, während qualifizierte Dienstleister und Systemhäuser gleichzeitig weniger ganzheitlich agieren. Eine schwierige Ausgangslage.
Symptome, die er antraf: Schlechte Software, IT-Ausfälle, Chaos bei der Telefonie. Lösungen, die er angegangen ist: Onlinevertrieb, Strukturen für mobiles Arbeiten, Cybersecurity.
Sein Rat für alle, die ähnliche Herausforderungen kennen: Mit Quick Wins starten. Telefonie anpassen. Zeiterfassung klären. E-Mail und Drucker in Ordnung bringen. Nicht gleich das große Bild – sondern das, was heute brennt. Die Mitarbeiter werden es einen danken und Vertrauen fassen für die nachfolgenden größeren Projekte.
Apropos Telefonie: Hier hat Simon auch eine Niederlage erlebt. Ein Anbieter hat ihm „das Blaue vom Himmel“ versprochen – und nicht gehalten. Seine Konsequenz daraus: Guter Monitoring-Prozess, gründliche Recherche im Vorfeld und der Austausch mit kompetenten Ansprechpartnern sind keine Extras, sondern Pflicht.
Warum IT überhaupt? Die Antwort ist pragmatisch: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zufriedener, es spart Zeit und Geld, und alle können sich auf das Kerngeschäft konzentrieren.“ Am Ende des Tages ist die IT für Simon als Unternehmensnachfolger zwar wichtig, aber primär Enabler für den Erfolg als Baustoffhandelsunternehmer.
Am Ende des Abends fragte die Runde nach dem, was wirklich zählt. Simon hat nicht lange überlegt:
Es gibt Abende beim YoungLeader MeetUp, die vor allem Wissen vermitteln. Und es gibt Abende, die etwas auslösen. Dieser war von der zweiten Sorte.
Simon Wolf hat nicht mit Erfolgsgeschichten geglänzt, sondern mit Ehrlichkeit. Über die Mühen der Nachfolge. Über IT-Projekte, die schiefgehen. Über die Kunst, in einem Familienunternehmen gleichzeitig Sohn, Kollege und Führungskraft zu sein. Und über die Frage, was wirklich wichtig ist – jenseits von Silos, Serverräumen und Strategiepapieren.
Das nächste YoungLeader MeetUp findet am 06. Mai wieder im Coworking Kemnath statt – mit Rebecca Oberst und Nina Perl zum spanenden Thema: „Chaos im Kopf, Kind am Bein: Ein Resilienzguide für (arbeitende) Eltern“ . Wer dabei sein möchte - gleich ein kostenloses Ticket sichern!
Alle Termine und Infos gibt es auf coworking-kemnath.de.