Gemeinsam stärker – und das merkt man sofort.
Sarah Segerer und Julia Mahr sind auf völlig unterschiedlichen Wegen in die Selbstständigkeit gestartet – und haben genau darin ihre Stärke gefunden. Beim GründerinnenTALK im Coworking Kemnath erzählten sie echt, offen und ohne Hochglanz davon, wie sie sich gefunden haben, was sie voneinander brauchen und warum gemeinsam einfach mehr geht. Ein Abend, der nachhallt.

GründerinnenTALK mit Sarah Segerer und Julia Mahr
9. Juli 2026 · Coworking Kemnath
Es gibt Abende, an denen man mit mehr Energie nach Hause geht, als man mitgebracht hat. Der GründerinnenTALK vom 9. Juli war so ein Abend. Sarah Segerer (sup.lab, Marketingagentur) und Julia Mahr (sabbalott., Coaching, Training und Organisationsentwicklung) haben nicht zusammen studiert, nicht gemeinsam gegründet, kennen sich auch nicht seit Jahren. Und trotzdem – oder genau deshalb – haben sie sich gefunden. Zwei Frauen, die auf völlig unterschiedlichen Wegen unterwegs waren, die irgendwann merkten: Was die eine hat, braucht die andere. Und umgekehrt. An diesem Abend haben sie davon erzählt – echt, authentisch und voller Ideen. Genau so, wie man es sich von einem GründerinnenTALK wünscht.
Wie sie angefangen haben
Sarah hat studiert – und dann abgebrochen. Nicht weil sie gescheitert ist, sondern weil sie gemerkt hat: Da brennt nichts. Eine Freundin schickte ihr eine Stellenanzeige. Grafikdesign, Werbeagentur. Sarahs erster Gedanke: „Ich kann nicht mal zeichnen." Trotzdem hin – und die Ausbildung als Beste Deutschlands in ihrem Bereich abgeschlossen. Danach ins Familienunternehmen (Logistik), dort unter anderem das Marketing aufgebaut, nebenher die eigene Agentur gegründet. Seit 2022 führt sie sup.lab – inzwischen zu dritt.
Julia hat 20 Jahre in der Bankenwelt gearbeitet. Verschiedene Standorte, oft umgezogen, im Vertrieb gestartet, und schnell im Coaching-Team gelandet. Qualifizierung, Veränderungsprozess-Begleitung, Projekte – das war immer ihr Ding. 2020 dann der Schritt in die Selbstständigkeit mit sabbalott. Anfangs: morgens von 4 bis 6 arbeiten, dann Homeschooling und Kinder, abends nochmal ran. Auch aus dem Trotz heraus: Weil ihr nach ihrem Umzug von Niedersachsen in die Oberpfalz wichtig war, auch in der Corona-Zeit Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.
Was sie gelernt haben – und was immer noch schwer ist
Das Auf und Ab akzeptieren. Sarah sagt es klar: „Das werde ich wohl nie lernen." Entweder zu viel oder zu ruhig – und die Ruhephasen gut nutzen, das ist bis heute eine Übung. Was ihr geholfen hat: ein Business-Coach. Einen Sparringspartner zu haben, der von außen draufschaut.
Zu viel annehmen. Julia hat am Anfang alles genommen, was kam. Drei Kinder, Haus, neu in der Selbstständigkeit – und jeden Auftrag. Irgendwann war klar: Das geht nicht. Heute ist das Wichtigste, das sie gelernt hat: auch mal Nein sagen. „Geh langsam, wenn du's eilig hast."
Selbstzweifel. Die hören nicht auf. Bei Sarah: Jeden Tag LinkedIn-Auftritte für andere gestalten – für den eigenen fällts trotzdem schwer. Rückmeldungen, die nur kommen als „Ja, passt" – und dann selbst nicht sicher sein, obs wirklich gut genug gepasst hat. Bei Julia: Wenn es auch mal kritische Rückmeldungen gibt, obwohl der eigene Anspruch doch so hoch ist. Was hilft? Enger und vertrauensvoller Austausch mit den Auftraggebern – vor, während und nach den Workshops.
Sich breiter aufstellen als geplant. Sarah bringt es auf den Punkt: „Man muss sich mit viel mehr Themen beschäftigen, als man eigentlich will." Buchhaltung, Personalführung, Akquise – das war nie der Plan. Dieses jeden Tag dazu lernen gibt einem aber auch sehr viel.
Was die beiden verbindet – obwohl (oder weil) sie so unterschiedlich sind
Sarah baut Marken nach außen. Julia arbeitet an dem, was innen wirkt – Struktur, Führungskultur, gelebte Werte. Zusammen stellen sie eine Frage, die sich jede Unternehmerin irgendwann stellen sollte:
„Wofür stehst du – und zeigt das, was nach außen sichtbar ist, genau das?"
Keine Hochglanzantwort. Sondern eine ehrliche Reflexion. Das war der Kern des Abends.

Was bleibt
Der Raum danach war laut – im guten Sinne. Austausch, Diskussion, Ideen. Genau dafür ist das Format da.
Und vielleicht das schönste Bild des Abends, das Sarah mitgegeben hat: „Es sind immer Tiefs, aus denen man mit einem noch größeren Hoch wieder rauskommt." Im Rückblick sieht man das. Im Moment drin ist es schwerer – aber es stimmt.
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